„Viele Netzbetreiber wissen nur sehr wenig, was im Netz und auf Seiten der Verbraucher in Echtzeit passiert.“

Interview /

Viel wird aktuell über Gasheizungen und Wärmepumpen diskutiert. Doch moderne, klimafreundliche Wärmeversorgung für Gebäude geht weit über Einzelheizungen hinaus. Im Interview erläutert Dr. Dietrich Schmidt (Fraunhofer CINES), wie Fernwärmenetze durch Betriebsoptimierung auf der Verbraucherseite, Digitalisierung und urbane Geothermie zum zentralen Pfeiler der Dekarbonisierung werden können.

TechNews: Herr Dr. Schmidt, in der Öffentlichkeit wird viel über Gasheizungen und Wärmepumpen diskutiert, aber nicht wenige Haushalte haben keine Wahl, denn sie sind an Fernwärmenetze angeschlossen. Wie bedeutend ist dieser Sektor für die Wärmewende?

Dr. Dietrich Schmidt: Wärmenetze stellen einen zentralen Hebel für den Klimaschutz im Gebäudesektor dar. Aktuell werden bereits 15 Prozent der deutschen Wohnungen per Fernwärme beheizt. Branchenverbände wie der AGFW und kommunale Versorger prognostizieren im Zuge der flächendeckenden Wärmeplanung sogar eine Verdopplung bis Verdreifachung der bisherigen Anschlusszahlen.

Besonders in dicht besiedelten städtischen Räumen bieten Fernwärmenetze erhebliche systemische Vorteile, durch die hohe Abnahmedichte arbeiten Wärmenetze mit geringen spezifischen Leitungsverlusten. Vor allem punktet Fernwärme durch die flexible, zentrale und wirtschaftliche Einbindung von erneuerbaren Quellen, industrieller Abwärme und thermischen Großspeichern.